gullis
Anmeldedatum: 17.06.2006 Beiträge: 15 Wohnort: Linz
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Verfasst am: Mo Okt 23, 2006 7:24 am Titel: Tricks der US-Immobienmakler |
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Kaufen Sie ein Haus, das Auto gibt's gratis dazu
Die US-Immobilienpreise fallen - jetzt ködern Hausverkäufer und Makler ihre Kunden mit bizarren Aktionen. In New York bieten sie Interessenten als Bonus Privatkonzerte, Plasma-Fernseher, Football-Tickets, Gratisautos und vieles mehr.
New York - Die Einladung war diskret, doch unwiderstehlich. Ein bekannter Immobilienentwickler lud die Crème de la Crème der New Yorker Maklerszene zum "Kennenlernen" auf eine Charter-Yacht. Das weiße Luxusboot legte von den Chelsea Piers ab, schipperte drei Stunden lang auf dem Hudson River, umkurvte die Freiheitsstatue, kehrte schließlich wieder nach Manhattan zurück.
An Bord jazzte eine Band, livrierte Kellner servierten Sushi an der Reling, danach gab's ein Drei-Gänge-Dinner unter Deck und die Präsentation eines neuen Bauprojekts: der eigentliche Anlass der Butterfahrt. "Das war sehr clever", berichtet einer der anwesenden Makler, der lieber anonym bleiben will. "Keiner konnte fliehen. Wir saßen ja alle fest, vollgefressen bis zum Geht-nicht-mehr."
Der US-Immobilienmarkt kühlt nun auch in New York ab, der letzten Bastion stratosphärischer Preise. Das zeigen die immer ausgefeilteren Marketing-Gags, mit denen sich Spekulanten und Makler gegenseitig umgarnen, um doch noch Kasse zu machen. Die Makler wiederum umgarnen ihre eigenen Kunden, ob Käufer oder Verkäufer.
"Du musst Dir schon was Spektakuläres einfallen lassen"
Segeltörns für Makler, Football-Tickets und Gratis-Autos für Kaufinteressenten: Nichts ist zu teuer, wenn man damit im schrumpfenden Wohnungs- und Häusermarkt gegen die Konkurrenz auftrumpfen kann und einander die Kunden ausspannt. "Wenn es nicht wirklich exorbitant ist, kriegst du die Leute nicht, die du anpeilst", sagt Dolly Lenz, Vizepräsidentin der New Yorker Spitzen-Immobilienagentur Prudential Douglas Elliman. "Du musst Dir schon was Spektakuläres einfallen lassen."
Zum Beispiel eine Edel-Party mit dem Modedesigner Stefano Pilati, durch die Lenz ein 32-Millionen-Dollar-Penthouse unters Volk brachte. Rivale James Prendamano vermakelte eine ganze Siedlung auf Staten Island, indem er jedem Käufer ein Auto schenkte, Wert: 15.000 Dollar. Deanna Kory gab für eine Acht-Zimmer-Wohnung an der Fifth Avenue ein "Haus der offenen Tür", bei dem Mezzosopranistin Anna Tonna Händels "Ombra Mai Fu" sang, begleitet von einem Streichquartett, derweil die Kunden prüfend übers Parkett schlurften.
Opulente "Open Houses" sind der gängigste Köder für Käufer. Die Maklerfirma Bellmarc veranstaltete neulich an einem einzigen Sonntag 87 davon. "Lunch oder Dessert sind das Mindeste", sagt ein Broker, der als Liaison zwischen Verkäufern und Wall-Street-Kunden arbeitet. "Trockene Kekse? Vergiss es. Wenn schon, dann selbst gebacken." Um das in ein Luxus-Apartmenthaus umgewandelte Plaza Hotel feilzubieten, servierte Starmaklerin Elizabeth Stribling Filet Mignon und karamellisierte Käse-Torteletts. Und was das Ambiente angeht: Der letzte Schrei sind offenbar Harfenisten.
Champagner in der Limousine
All das sind Symptome, dass nun auch New York erfasst wird von der "weit verbreiteten Abkühlung" des Wohnungsmarkts, die die US-Zentralbank vergangene Woche proklamiert hat - trotz ungebremster Bautätigkeit in der Stadt. "Die Immobilien-Rezession kommt", titelte die "New York Sun". Zwar ist New York City und vor allem Manhattan immer noch mit das heißeste Pflaster. Doch sinken auch hier die Preise, während das Angebot unverkaufter Objekte wächst und es immer länger dauert, Häuser oder Wohnungen loszuwerden. "Die Käufer sind verwöhnt", sagt Makler Luis Vazquez.
Also versteigert ein Broker zwecks Kundenfang Tickets für Footballspiele der New York Giants, ein anderer Tickets für die Broadway-Show der Stunde. Einer gibt umsonst Küchentheken aus Granit dazu, einer bietet Hilfe bei der Finanzierung, einer Designermöbel von Philippe Starck. Beliebte Werbegeschenke sind auch Computer, Plasma-Fernseher, Haushaltsgeräte aus Edelstahl und Spa-Gutscheine. Die meisten reden allerdings nur hinter vorgehaltener Hand darüber: In zwölf US-Bundesstaaten sind Geschenke an Kunden verboten - in New York nicht.
Auch die Makler selbst finden sich umschwärmt: von den Investoren, die gerade allein auf der begehrten West Side Dutzende neue Luxus-Wohnblocks hochziehen. Sie versuchen, die Branchenbesten mit Hors d'Oevres und fetten Buffets zu gewinnen - in "Sales Offices", die sich oft noch in den Rohbauten befinden. Wer anbeißt, wird per Chauffeur abgeholt.
"Keine Käufer - keine Umsätze."
"Eigentlich war ich nicht interessiert", sagt ein Makler über eine solche Anbahnung. "Aber sie haben Sekt in der Limousine serviert, also bin ich gerne eingestiegen." Ein anderer berichtet amüsiert: "Ich bräuchte eigentlich privat nicht mehr einzukaufen. Ich könnte mich täglich umsonst durchfuttern."
So nett das klingt, es sind harte Zeiten für Makler. In Bellmarcs Büro in der Upper East Side, der nobelsten Wohngegend, kündigten jetzt 9 der 40 Broker, um sich neue Karrieren zu suchen - mangels Kommissionen. "Das Geschäft ist nicht nur ruhig. Seit ein paar Wochen ist es tot", klagt Bellmarc-Vizepräsidentin Deanna Esses. "Keine Käufer - keine Umsätze."
Zum Höhepunkt des Booms war der Beruf Immobilienmakler eine der heißesten Karrierechancen überhaupt. In nur zwei Jahren explodierten die Mitgliederzahlen der Branchengemeinschaft National Association of Realtors (NAR) um 26 Prozent auf heute 1,2 Millionen. Doch nun wird es für die Branche immer schwieriger, sich über Wasser zu halten. Neulinge verdienen nach NAR-Angaben im Schnitt nur noch 12.850 Dollar im Jahr. Die etablierten Stars kassieren weiter um die 100.000 Dollar.
Viele Makler, weniger Kunden: Da sind alle Mittel recht - auch Schlussverkäufe. Als in der vergangenen Woche ein Sportflugzeug in ein Luxus-Wohnhaus auf der Upper East Side krachte, war die Maklerin Donna Olshan gerade dabei, einem Interessenten das Penthouse 1-B zu zeigen. Es ist für 4,8 Millionen Dollar auf dem Markt. Einen Tag später war die Immobilie ("unverbaubarer Blick, romantische Terrasse") erneut annonciert - um 400.000 Dollar billiger.
Quelle: spiegel.de, 18.10.2006 |
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